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Samstag, 28. March 2020 - 17:00 Uhr
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Ein Schuss vor den Bug: FC Flawil verliert Spitzenkampf
Thema: 1. Mannschaft | erstellt durch: FCF

Ein Schuss vor den Bug: Trotz Chancenplus verliert der FC Flawil den Spitzenkampf gegen den FC Herisau mit 1:3 (1:1).


Der Flawiler Marco Schmid behauptet den Ball. - Bild: Quelle Herisau24.ch

Bericht: David Metzger / FC Flawil

 

Es hätte aus Flawiler Sicht ein wunderbarer Sonntag werden können. Das Wetter passte, der Zuschauerauflauf war prächtig und auch sonst schienen die Akteure von Cheftrainer Dragan Savic bis in die Zehenspitzen motiviert, um dem Spitzenkampf gegen den FC Herisau die Krone aufzusetzen und so drei eminent wichtige Punkte einzufahren.


Herausgekommen ist es alles ganz anders: Anstelle eines Sieges verlieren die Flawiler im Aufstiegsrennen gegen den unmittelbaren Konkurrenten mit 1:3 und sind nun durch die erste Saisonniederlage auch in der Tabelle erstmalig zurückgebunden. Obschon sich Flawil über das ganze Spiel ein immenses Chancenplus herausspielte, liess man sich von den Gästen aus Herisau dreifach düpieren und verlor so nicht nur das Spiel, sondern in der Schlussphase auch noch die Contenance.

 

Zunder war schon über die ganze Partie vorhanden, aber so richtig explodierte das Pulverfass in der Affiche zwischen dem FC Flawil und dem FC Herisau erst in der Schlussphase. Wenige Minuten zuvor (73.) war der FC Herisau zum zweiten Mal an diesem Nachmittag durch Kaan Yildirim mit 1:2 in Führung gegangen.

 

Logischerweise rannte der FC Flawil fortan an, in der Hoffnung, doch noch einmal den Ausgleichstreffer zu erzielen. Es war die 80. Spielminute angebrochen, als Culanic auf Höhe der Mittellinie seinen Gegenspieler mit einer Finte stehen liess und den Ball zur freistehenden Anspielstation beförderte. Damit war die Aktion eigentlich abgeschlossen. Nicht aber für Herisau-Spieler Kaan Yildirim. Obschon der Ball längst weitergegeben war, dreschte Yildirim mit voller Absicht in Kung-Fu-Manier in die Beine von Culanic.

 

Das Pulverfass explodierte. Weil sich die brutale Intervention unmittelbar vor der Flawiler Bank abspielte, dauerte es nur Sekunden, ehe sich eine Spielertraube bildete und sich die beiden Mannschaften in den Haaren lagen. Verschiedene Spieler gingen aufeinander los, die Trainer des FC Herisau wirkten dabei an vorderster Front mit, ja gar Zuschauer stürmten auf das Spielfeld. Es war wahrlich für keinen der beiden beteiligten Vereine eine Glanzminute – und doch zeigte die Situation wie viel Brisanz in diesem Spitzenkampf lag.

 

Nachdem sich die Gemütslage nach einigen Minuten etwas beruhigt hatte, schritt Schiedsrichter Daniele Muscaritolo zur Tat. Es war ja klar, dass das Foul und die Rudelbildungen Konsequenzen haben mussten. Doch der Mann, der bis dahin eine sehr gute Leistung geboten hatte, gab das Spiel mit einem ungläubigen und äusserst fragwürdigen Entscheid innert wenigen Sekunden aus der Hand: Statt Yildirim für dessen wüstes Einsteigen, das Foul geschah im Sichtfeld des Unparteiischen, den roten Karton zu präsentieren, kam dieser mit gelb davon. Und nicht nur das, auch der Gefoulte selbst, Stanko Culanic, sah die gelbe Karte, was wiederum Flawil-Trainer Savic auf die Palme brachte und Muscaritolo dazu veranlasste, den Flawiler Cheftrainer mit glatt-rot auf die Tribüne zu verbannen. Damit war die Muscaritolo-Show aber noch nicht zu Ende. Keine fünf Minuten später hielt Herisau-Torhüter Grubenmann, welcher eine hervorragende Partie zeigte, den Ball relativ lange in den Händen, was den zuvor bereits verwarnten Culanic dazu veranlasste, laut die Sekunden zu zählen. Offensichtlich zu laut und zu hämisch für den in dieser Situation wenig Fingerspitzengefühl zeigenden Muscaritolo. Mit gelb-rot wurde Culanic ebenfalls des Feldes verwiesen.

 

Klar müssen sich die Flawiler an der eigenen Nase nehmen. Für einen Verein, in welchem der Vereinsvorstand Woche für Woche seinen Mitgliedern predigt, die Strafpunktewertung in den Griff zu kriegen und horrende interne Busen gegen Disziplinarlosigkeiten ausspricht, wo Junioren noch mit Stolz und Ehrfurcht zu den Aktiven hochschauen, da muss das Fanionteam zwingend eine vorbildlichere Rolle einnehmen und entsprechend besser mit Leistungsdruck und Emotionen umzugehen vermögen. Dass das Fanionteam noch in der Halbzeitspause bei der Supportervereinigung für seinen in dieser Saison bisweilen angebracht fairen Spielstil gelobt wurde, zeugt davon, auf welch rutschiger Eisscholle sich das Ensemble von Trainer Dragan Savic befindet. Läuft’s, dann läuft’s. Doch läuft’s einmal nicht, dann entwickelt sich das Flawiler Gefüge rasch zur tickenden Zeitbombe. Einen Fakt, den die Flawiler in den kommenden Spielen zwingend besser in den Griff bekommen müssen.

 

Klar ist aber auch, dass sich die Flawiler in verschiedenen Situationen an diesem Nachmittag vom Schiedsrichter benachteiligt gefühlt haben. Es ist denkbar, dass wenn der Schiedsrichter das entsprechende Strafmass in den jeweiligen Situationen anders und umsichtiger angewandt hätte, die Partie anders ausgegangen wäre. Natürlich hat der Regionalfussball längst begriffen, dass ein Spiel ohne Schiedsrichter nicht möglich ist und dass Werte wie Respekt und Fairplay wichtig sind. Entsprechend geht es hier nun auch nicht darum, den Schiedsrichter zu kritisieren. Nichtsdestotrotz dürfen die Mannschaften auf dem Platz die vom Verband vorgelebten Wete wie Fairplay und Respekt auch ihrerseits erwarten. Umso konsternierender ist es dann, wenn der Captain einer Mannschaft vom Unparteiischen nach Spielschluss als «Clown» betitelt wird. Leider sind solche Wortgefechte in der 3. Liga immer wieder feststellbar, wo gewisse Schiedsrichter nur zu gerne mit Hero- und Egoismus gegenüber den Teams auftreten. Gegenüber entsprechenden Auftritten sind den Teams die Hände gebunden, sind die Reglemente seitens des Fussballverbandes doch viel zu kontrovers und letztlich halt auch zu kostspielig, als dass man dagegen konstruktiv vorgehen könnte.



Sportlich ist die 1:3-Niederlage gegen Herisau kein Beinbruch. Es ist ein Schuss vor den Bug für die erfolgsverwöhnten Flawiler, welcher hoffentlich die Signalwirkung haben wird, dass es tagtäglich das Leistungsoptimum benötigt, um in der 3. Liga zu bestehen. Vorwerfen können sich die Flawiler dann auch gar nicht mal so viel, einzig die sich bietenden Chancen nicht konsequent ausgenutzt zu haben. Wiederholt besass Flawil im ersten Durchgang beste Verwertungsmöglichkeiten. Grubenmann im Herisauer Tor vereitelte aber die eine um die andere Gelegenheit glänzend. Weil gleichzeitig, aufgrund eines individuellen Fehlers in der Flawiler Hintermannschaft - ein Rückpass von Gahler erwies sich als zu langsam für Torhüter Wagner – Herisau früh zur Führung (21.) einschob, stand das Spiel von Beginn weg unter keinem guten Stern. Obschon Oertig nach 33. Spielminuten eine der vielen Chancen zum Ausgleich verwertete, waren es in der 73. Minute wieder die Herisauer, welche die erneute Führung markierten. Und, spätestens in numerischer Unterzahl war es für den FC Flawil fast ein Ding der Unmöglichkeit, gegen defensiv robust stehende Appenzeller doch noch den Ausgleich zu erzielen. Im Gegenteil: In den sieben Minuten Nachspielzeit liefen die Flawiler gar noch in einen Konter und fingen sich den dritten und letzten Gegentreffer ein.

 

Das 1:3 ist aus Flawiler Sicht eine Enttäuschung, hatte sich das Team für den Spitzenkampf doch viel vorgenommen. Mit dem FC Herisau gewann für einmal sicherlich nicht die bessere, vielleicht aber die cleverere Mannschaft, welche zudem die Emotionen besser unter Kontrolle hatte. Für den FC Flawil gilt es nun den Mund abzuwischen und am kommenden Sonntag um 14Uhr in Glarus eine Reaktion zu zeigen.

 
FC Flawil - FC Herisau 1:3 (1:1)
Rössli-Park-Arena Rasen, Schützenwiese, 400 Zuschauer, Sr. Daniele Muscaritolo.
Tore: 21. Ehrbar 0:1, 33. Oertig 1:1, 73. Yildirim 1:2, 94. Yildirim 1:3.
FC Flawil: Wagner; Gahler (67. Chiavuzzi), Edipi Ferati (78. R. Imper); Schmid, Oertig, Culanic, Velickovic; Gröli (61. Pereira), D. Obrist, Vasic (78. S. Obrist).
FC Herisau: Grubenmann; Tolino (46. Thönig), Susic, Dautaj, Gavrilovic; Uemit (69. Wieland), Bischof, Huber; Ehrbar (46. Yildirim), Zigerlig (66. Mihajlovic), Sbocchi (79. Loprete).
Verwarnungen: 30. Tolino (Foul), 38. Zigerlig (Foul), 64. Uemit (Foul), 80. Culanic (Unsportlichkeit), 80. Yildirim (Tätlichkeit), 86. Pereira (Reklamieren), 89. Dautaj (Unsportlichkeit).
Ausschluss: 85. Culanic (gelb-rot/Unsportlichkeit).
Bemerkungen: FC Flawil ohne F. Imper, Graf (beide nicht im Aufgebot), Gibanica, Sassi (beide rekonvaleszent), Kurzbauer, Bruggmann (beide Ferien), Hajrovic, Rozajac (beide A-Junioren) sowie Metzger, Khangsar und Masovic (alle nicht eingesetzt). 80. Flawil-Trainer Dragan Savic wegen Reklamieren des Feldes verwiesen.

 

 





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